7 Fragen an Rebecca Michéle zu "Sagen aus Cornwall"

Autorin Rebecca MichéleSie liebt klassische Musik, die Natur und bereist Cornwall seit vielen Jahren. Schon lange arbeitet Rebecca Michéle dort auch als Reiseleiterin und entdeckte dabei nicht nur die Vorliebe vieler Menschen für cornische Sagen, sondern noch einiges mehr.

Dryas Verlag: 1. Wie sind Sie zu Ihrem Buchthema „Sagen aus Cornwall“ gekommen?

Rebecca Michéle: Seit knapp dreißig Jahren reise ich mindestens einmal, meistens aber mehrmals jährlich nach Cornwall. Fast jeder Gegend lastet eine Legende an, manchmal rein fiktiv, oft aber auf einen realen historischen Hintergrund basierend. Aufgrund der abgeschiedenen Lage im äußersten Südwesten der britischen Insel hielt sich das frühere Brauchtum in Cornwall länger als in anderen Teilen Englands. Die Cornishmen, wie die Einwohner sich nennen, waren und sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die in früheren Zeiten allem Neuen ablehnend gegenüberstand – eine Grundlage, in der sich oft Sagen bilden und von Generation zu Generation weitergetragen werden.

Seit rund zwanzig Jahren bin ich auch als Reiseleiterin tätig. Dabei stelle ich fest, dass bei den Gästen die cornischen Sagen auf großes Interesse stoßen. Den Reisenden blieben Erzählungen über mystische Erscheinungen und nicht erklärbare Vorfälle viel mehr im Gedächtnis als trockene Jahreszahlen und historische Begebenheiten.

So habe ich über die Jahre hinweg die Sagen gesammelt, habe die mystischen, zum Teil versteckt liegenden Orte aufgesucht, deren Atmosphäre auf mich wirken lassen, mit Einheimischen über die überlieferten Legenden gesprochen – und sie schließlich aufgeschrieben.

In meinen Erzählungen habe ich den Figuren, über die oft nicht mehr als deren Namen bekannt ist, Leben eingehaucht; ich lasse sie lachen, lieben, leiden, weinen und ihre Erlebnisse mit eigenen Worten erzählen.

Dryas Verlag: 2. Glauben Sie selbst an Sagen oder Mythen?

Rebecca Michéle: Die Frage ist nicht mit einen eindeutigen Ja oder Nein zu beantworten. Ich glaube, dass jeder Sage etwas Wahres zugrunde liegt, jeder Mythos seine Wurzel in einem tatsächlichen Geschehnis hat.

Zwei Geschichten in diesem Buch – „Der König von Preußen“ und „Der seltsame Pfarrer von Warleggan“ – basieren auf wahren Begebenheiten; die Personen haben existiert und auch so gehandelt, wie ich deren Geschichte erzählte. Das Seltsame, das Mystische kam nach deren Tode und rankt sich um die Wirkungsstätten dieser Personen. Wenn Menschen sich so verhalten oder gar grausame Taten begehen, entstehen oft sagenhafte Geschichten um sie herum. In früheren Zeiten und gerade in einer ländlichen Gegend wurden seltsame Begebenheiten gern mit Übersinnlichem in Verbindung gebracht.

Ja, ich glaube, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die mit unserem Menschenverstand und aller Technik nicht zu erklären sind. Sitze ich in einer belebten Fußgängerzone und genieße im Sonnenschein einen Cappuccino, dann fällt mir die Vorstellung von Feen, Riesen oder Hexen zugebenermaßen schwer. Wandere ich aber in Cornwall durch ein bewaldetes Tal, in dem ich stundenlang keinem anderen Menschen begegne, wo die Baumstämme bis hinauf zu den Kronen von Efeu überwuchert sind und der Farn hüfthoch steht, wenn selbst an einem strahlenden Sommertag kein Sonnenstrahl das dicke Blätterdach durchdringt, wenn neben mir das glasklare Wasser eines Bachs gurgelnd über runde, ausgewaschene Steine rauscht, und wenn es im Unterholz knackt und raschelt, ohne dass ein Lebewesen zu sehen ist – dann erwarte ich fast, jeden Moment einen Piskie aus dem Gebüsch springen zu sehen.

Dryas Verlag: 3. Welches ist Ihre Lieblingssage und warum?

Rebecca Michéle: Alle Sagen faszinieren mich sehr; wenn ich mich aber für eine entscheiden muss, dann sind das die Geschichten, die sich um die Piskies ranken, siehe auch meine Erklärung zur vorherigen Frage. Diese koboldhaften und zugleich elfenartigen Geschöpfe waren vor langer, langer Zeit bei den Menschen überhaupt nicht beliebt, da sie diese ärgerten, deren Vieh stahlen, die Ernten und Häuser vernichteten, manchmal wurden Menschen sogar gequält. Das Ansehen der Piskies wandelte sich im letzten Jahrhundert, heute gelten sie als Glücksbringer und werden immer als verschmitzt und lustig dargestellt.

Meine persönliche Verbundenheit zu den Piskies zeigt sich darin, dass ich seit dem Jahr 2000 ein handtellergroßes Tattoo eines solchen Gnoms auf meinem Schulterblatt trage.

Dryas Verlag: 4. Ihrem Buch liegt eine Karte mit den verschiedenen Schauplätzen bei. Welchen Schauplatz können Sie Ihren Lesern besonders ans Herz legen?

Rebecca Michéle: Hier eine Auswahl zu treffen, fällt schwer, denn alle Gegenden, alle Schauplätze in Cornwall sind sehenswert und auch irgendwie besonders, auch weil sie sehr unterschiedlich sind. Tintagel Castle an der rauen Nordküste mit seinen hohen, schroffen und kahlen Klippen ist ein MUSS für jeden, der sich mit der Artus-Sage beschäftigt. Steht man in den Ruinen, blickt man aufs wilde Meer, das dort immer in einer starken Brandung an die Felsen rauscht, dann fühlt man sich schnell wie Igraine, Artus’ Mutter, und spürt deren Einsamkeit, als sie hier gelebt haben soll.

Im Gegensatz hierzu das zauberhafte, romantische Tal von Lamorna und die Lamorna Cove, oder die Weite des Bodmin Moors, in dem man zwischen den Steinen der Hurlers herumwandern und die Augen schließen sollte, um das Weinen und Klagen der zu Stein gewordenen Männer zu vernehmen. Und schließlich das Tal und der Wasserfalls von St Nectan. Auch heute noch ein regelrecht verwunschener Ort, an dem die Zeit still zu stehen scheint.

Dryas Verlag: 5. Den Lesern welcher anderen Autoren/Bücher können Sie dieses Buch besonders ans Herz legen?

Rebecca Michéle: Auf jeden Fall allen Lesern, die meine in Cornwall spielenden Romane mögen, z. B. die Krimi-Reihe rund um das Herrenhaus Higher Barton, von der inzwischen der siebte Band erschienen ist.

Alle Freunde der Romane und Verfilmungen von Daphne du Maurier und von Rosamunde Pilcher freuen sich bestimmt, mehr über diese wundervolle Gegend zu erfahren. Menabilly House, das Vorbild des Schlosses Manderley aus dem großartigen Roman Rebecca (von dem ich übrigens meinen Vornamen habe!), ist der Öffentlichkeit zwar nicht zugänglich, die kleine Bucht, in der sich das Schicksal von Rebecca entschied, kann aber besucht werden.

Zu erwähnen ist auch unbedingt die Buchreihe Poldark von Winston Graham. Die neue Verfilmung dieser Geschichten aus dem Jahr 2015 erfreut sich auch in Deutschland großer Beliebtheit. In Cornwall gibt es Poldark-Touren, die die Besucher zu all den in den Büchern genannten und in den Filmen gezeigten Schauplätzen führen.

Dryas Verlag: 6. Was machen Sie sonntags am liebsten?/Wie sieht der perfekte Tag für Sie aus?

Rebecca Michéle: Früher, als ich noch aktiv Tanzsport betrieb (rund dreißig Jahre lang), stand an Sonntagen entweder ein Turnier oder eine Trainingseinheit an. Heute verbringe ich den Vormittag oft an meinem Schreibtisch und beantworte Mails oder sonstige Anfragen, zu denen ich während der Woche nicht gekommen bin. Dabei höre ich klassische Musik. Steht sonntags kein Termin an (Besuch von Verwandten und/oder Freunden), dann zieht es mich regelmäßig in die Natur hinaus, zum Wandern oder Fahrradfahren. Ich wohne am Fuß der Schwäbischen Alb, sodass die Natur direkt von meiner Haustür liegt. Auch im Winter gehe ich gern hinaus, unternehme dann aber keine mehrstündigen Wanderungen.

Als einen perfekten Tag empfinge ich den Tag, an dem nichts Schreckliches geschieht, an dem all meine Lieben und ich gesund sind und keine neuen Katastrophen die Welt erschüttern. 

Dryas Verlag: 7. Wie würden Sie sich selber mit 3 Worten beschreiben?

Rebecca Michéle: Oh, am besten sollten andere mich beschreiben … lach … aber ich versuche es einmal: aufgeschlossen, fantasievoll und tolerant

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